HGC-U probt “Einsatzzeit bei der Polizei NRW” im Rahmen der Talenttage 2021

„Herr Brehm ist im Waffenbesitz…“ , mitten im Planspiel der fiktiven Gemeinde Rautal nimmt der Einsatz der Polizei – an diesem Vormittag durchgeführt von SchülerInnen des Berufskollegs Stadtmitte der Stadt Mülheim an der Ruhr – dramatische Formen an.

Begonnen hat alles auf der Wache Rautal. In der kleinen Stadt ist das einzige, das der Polizei im Moment Arbeit beschert, der neueröffnete Technoclub. Doch dann wird die Polizei zu einem Mehrfamilienhaus gerufen, in dem die Nachbarn die Hilfeschreie einer bedrohten Exfrau melden. An dieser Stelle steigen die 15 Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Stadtmitte, die im Rahmen der Talenttage Ruhr zur Polizei in Essen eingeladen wurden, in das Spiel ein.

Alle SchülerInnen erhalten Rollenkarten mit genauen Anweisungen. Es gibt die Streifenbeamten, Spezialeinheit, Einsatzteam, Führungsstab, Polizeiführung und weitere Akteure. In der Mitte des Raumes ist ein großer Spielplan aufgebaut, auf dem jetzt alle SchülerInnen, die ihre Rollen vorgestellt haben, ihre Figuren platzieren.

Nun erhalten die SchülerInnen Hilfestellung im Funkverkehr.

„Streifenteam an Einsatztruppe, bitte teilen Sie mir die Beobachtung am Tatobjekt mit. Einsatztruppe für Streifenteam bitte kommen.“

Polizeikommissar Sebastian Agethen bittet um eine knackige, laute Ansage. Gar nicht so einfach, wenn man noch nie gefunkt hat. Der rote Buzzer auf dem Spielfeld steht nun im Mittelpunkt und dann nimmt das Spiel Fahrt auf. Die vier PolizeibeamtInnen Jessica Alfuth (41) Polizeihauptkommissarin, Kathrin Kamps (28) Polizeioberkommissarin, Timo Kreuzenbeck (36) Polizeioberkommissar und Sebastian Agethen (37) ebenfalls Polizeioberkommissar, die sich am Anfang mit ihren spannenden Biografien vorgestellt haben, strahlen eine unglaubliche Präsenz aus und geben jeder Gruppe Unterstützung. Ihre empathische Art hilft dabei, dass die SchülerInnen ihre Rollen überzeugend einnehmen und ernst nehmen.

Sie erfragen Details, senden Beobachtungsfahrzeuge aus. Einsatztrupps, Spezialeinheit und Hundertschaft befinden sich am Tatort. Die Lage vor Ort wird immer wieder neu definiert. Anwohner und Passanten werden gesichert. Das weitere Vorgehen wird mit dem Führungsstab und der Polizeiführung abgesprochen. Genauigkeit ist das oberste Ziel, die Weitergabe von Informationen ist das A und O. Kleinste Nachlässigkeiten in den Durchsagen zeigen große Auswirkungen. Der rote Buzzer und die Schnelligkeit der Durchsagen – Denken, Drücken, Sprechen – bringen ein reales Gefühl in das Spiel.

Die vier Polizeikommissare geben wichtige Hinweise, um das Spiel immer im Fluss zu halten. Neue Informationen zu Personen, Autokennzeichen, immer wieder veränderte Einsatzlagen und immer wieder notwendige neue Absprachen in rasanter Geschwindigkeit, weil die Bedrohungslage wächst. Vorgehensweisen müssen abgestimmt werden – vor Ort ist das Auge, das Gehirn ist die Polizeiführung! Und wieder denken, drücken, sprechen und ein bisschen zügig und eine knackige, laute Ansage.

Und zum Schluss werden Lösungswege von allen Einsatzkräften erbeten. Die Schüler und Schülerinnen sind geschafft, sie schwanken zwischen Stress, Erschöpfung und Begeisterung.

In der Reflexion des Spiels zeigt sich für die SchülerInnen:

Dieser Beruf ist stressig aber spannend, Absprachen sind unglaublich wichtig. Und niemand hätte gedacht, dass so viele PolizeibeamtInnen in einen solchen Vorfall involviert sind. Man muss sehr genau arbeiten, alles mitbekommen, viel nachdenken und umplanen können. So das Fazit der SchülerInnen. Ihre Hochachtung zollen sie den Streifenteams („echte Alleskönner“) aber auch den Einsatztrupps und der Spezialeinheit („sie müssen immer zusammenarbeiten und sich unterstützen, Information ist alles“).

Die Unterrichtsfächer des Bildungsgangs der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales, der mit der Fachhochschulreife abschließt, bringen viele Qualifikationen für den Beruf des Polizisten/der Polizistin mit. Im Bereich der Gesundheitswissenschaft lernt man Krankheitsbilder aber auch Auswirkungen und Symptome von Sucht und Drogenabhängigkeiten kennen. Im Bereich der Sozial- und Erziehungswissenschaften geht es zum Beispiel um Beobachtung und Wahrnehmung, um psychische Erkrankungen, um das Verhalten hochbetagter und dementiell erkrankter Menschen. Die Kommunikation mit verschiedensten Bevölkerungsgruppen steht ebenso im Fokus dieses Faches. Im zeitlich ausgeweiteten Politikunterricht werden Demokratieverständnis und die Notwendigkeit demokratischer Strukturen im Zusammenleben von Menschen ebenso vermittelt wie die unabdingbare Rechtsstaatlichkeit als wesentliches Element der Demokratie.

Die zweijährige Berufsfachschule Gesundheit und Soziales ist daher nicht nur für Pflegeberufe sondern auch für Berufe im Bereich von Polizei und Justiz eine gute Vorbereitung.

Das Fazit der Veranstaltung spiegeln die folgenden Zitate der SchülerInnen:

„Durch das Spiel konnten wir tolle Einblicke in den Beruf der Polizei bekommen und ein Bild bekommen, wie bestimmte Situationen geregelt werden.“ Tom Haase
„Dieses Planspiel hat gezeigt, wie anstrengend und stressig die Arbeit bei der Polizei sein kann. Deswegen habe ich großen Respekt vor diesen Menschen. Der Nachmittag war aufregend und man konnte viele neue Informationen sammeln. Ich persönlich finde daher diesen Beruf sehr interessant und aufregend, aber auch stressig.“ Fabienne Seeger
„Die Veranstaltung hat jedem einen realistischen Einblick in die Polizeiarbeit gewährt. Als Polizeiführerin fühlt man sich an der obersten Stelle. Auch wenn es nur ein Spiel war, ist es jedem gelungen den Fall ernst zu nehmen.“ Seyma Gök
„Die Polizisten und Polizistinnen, die uns beim Planspiel geholfen haben, hatten eine tolle Ausstrahlung und waren sehr freundlich. Berna und ich haben relativ schnell immer neue Aufgaben bekommen, die zu bewältigen waren. Ich fand es toll zu sehen und mitzuerleben, wie viel bei der Polizei von der Kommunikation der verschiedenen Teams abhängt.“ Luna Danica Groß
„Ein Fallbeispiel zu lösen war sehr anschaulich. Es hat gezeigt, wie viel Verantwortung jeder einzelne trägt und dass Teamarbeit auf jeden Fall nicht fehlen darf. Es hat mich motiviert Polizistin zu werden, denn dies ist nicht nur ein Beruf, es sind mehr als zehn Berufe in einem und man kann sich je nach seinen Stärken qualifizieren.“ Berna Tirhis